Hugo Schriesheimer: Ein tragisch-glimpfliches Überlebensschicksal

Erhältlich beim Verlag Hartung-Gorre Konstanz
Erhältlich beim Verlag Hartung-Gorre Konstanz

Hugo Schriesheimer wurde 1908 als einziges Kind von Max und Rosa Schriesheimer in Konstanz geboren. Der Eisenwarenladen des Vaters wurde 1938 arisiert, d.h., er ging in die Hände eines nichtjüdischen Besitzers über. In diesem Jahr erfolgte auch die Sperrung der Grenze für Juden. So zerschlug sich die Hoffnung von Vater und Sohn Schriesheimer auf eine Fortführung ihres Geschäfts jenseits der Grenze in Kreuzlingen.
Im November 1938 erlebten die Konstanzer Juden die Zerstörung ihrer Synagoge. Hugo Schriesheimer wurde zusammen mit anderen männlichen Gemeindemitgliedern in „Schutzhaft“ genommen und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Anfang 1940 erfolgte die Umsiedelung in „Judenhäuser“ und am 22. Oktober 1940 wurde die Familie Schriesheimer, wie alle anderen 6500 badischen Juden nach Gurs deportiert.
Die Eltern, Max und Rosa Schriesheimer, die man wegen der Krankheit des Vaters in einem Heim in Pontaqc unterbringen konnte, starben Ende 1943 und Anfang 1944 kurz hintereinander. Dem Sohn gelang kurz zuvor die Flucht in die Schweiz, wo er bis zu seiner Auswanderung in die USA 1947 als „staatenloser Ausländer“ mit Flüchtlingsstatus lebte. Ausgestattet mit einem amerikanischen Pass kehrte Hugo Schriesheimer, der inzwischen verheiratet war, 1971 in die Heimat am Bodensee zurück - eine vorsichtige Heimkehr, sozusagen, denn er ließ sich in Kreuzlingen nieder, der Schweizer Grenzstadt, die aus der Vogelperspektive zusammen mit Konstanz eine zusammenhängende Stadt bildet. Hugo Schriesheimer hat 1989 auf dem jüdischen Friedhof in Kreuzlingen-Bernrain sein Grab gefunden.
Sorgsam hat Hugo Schriesheimer Dokumente, Fotos und Briefe, die die vielen Stationen seines Lebenswegs dokumentieren, aufbewahrt – nicht zuletzt deshalb, weil manche davon wohl ein Stück der verlorenen Konstanzer Heimat repräsentierten. Wenn man diesen Nachlass heute sichtet, schält sich ein tragisch-glimpfliches Überlebensschicksal  heraus.